Interview

Interview mit Susan Elizabeth Phillips
Cottage gesucht, Held gefunden

Erzählen Sie uns ein bisschen über Cottage gesucht, Held gefunden. Was wird den Lesern geboten?

Er: Theo Harp, ein einsiedlerischer Schriftsteller, aus dessen makabren Phantasie schauderhafte Horror-Romane entspringen. Sie: Annie Hewitt, eine vom Glück verlassene Schauspielerin, die nur noch Puppentheater für Kinder spielt. Sie sitzen auf einer eingeschneiten Insel vor der Küste von Maine fest. Dort wird sie von ihren Erinnerungen an ihr letztes Treffen eingeholt. Ich sage nur so viel: Das ist nicht gutgegangen letztes Mal. Aber hat er wirklich versucht, sie umzubringen?

Dieser Roman ist Ihr erster, der komplett für sich steht seit Aus Versehen verliebt, und in dem keine Figur aus Ihren bisherigen Büchern eine Rolle spielt. War es schwierig für Sie, mit Annie und Theo einen Neuanfang zu wagen, oder war das eine willkommene Abwechslung?

Sowohl als auch. Man tut sich immer leichter, mit einem Roman anzufangen, wenn man das Setting schon kennt, aber es macht auch Spaß, neue Schauplätze zu erkunden. Und ich habe es genossen, über Figuren zu schreiben, die ausnahmsweise mal keine Sommerkleidung trugen. (Ich weiß, ich bin oberflächlich.)

Diese Frage brennt mir besonders auf den Nägeln: Die Puppen! Annie ist Bauchrednerin, die durch ihre und mit ihren Puppen spricht. Wie kamen Sie auf diese einmalige Idee, ihr diesen Beruf zu geben?

Ich habe das Motiv auch vorher schon verwendet, ich arbeite sehr gern damit. Molly Sommerville kommuniziert durch die Figuren ihrer Kinderbücher in Verliebt, verrückt, verheiratet. Sowohl in Dinner für drei als auch in Aus Versehen verliebt wird das Leben der Protagonistinnen von den Figuren widergespiegelt, die sie auf der Leinwand darstellen. Ich wollte schon seit langem Puppen (genau genommen Bauchrednerpuppen) verwenden, und hier bot sich die perfekte Gelegenheit dazu. (Ich kann mich kaputtlachen über sie.)

Da wir schon von Berufen reden: Normalerweise gibt es in Liebesromanen Frauen, die schreiben. Hier ist Theo der Autor, und er hat ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben, das in einer Nervenklinik spielt. Ehrlich gesagt, hat mich der Titel Sanitarium/Sanatorium fasziniert. Könnten Sie sich vorstellen, Horror-Romane zu schreiben?

Oh Gott, nein! Schon Sanitarium zusammenzufassen, macht mir Angst.

Auch in Cottage gesucht, Held gefunden gibt es Spannungselemente, die ins Komödiantische, aber auch ins ernstere Genre passen. Können Sie sich einen Wechsel in die Romantik-Suspense vorstellen?

In meinen anderen Büchern habe ich auch mit Spannungselementen gearbeitet, aber ich sehe mich nicht als Autorin von Romantik-Suspense als solcher. Ich konstruiere meine Geschichten um meine Protagonisten herum. Was brauchen sie? Was ist das Schlimmste / das Beste, was ihnen passieren kann? (Nein, ich schreibe nicht auf der Grundlage einer Synopsis. Ich muss den Figuren unter die Haut kriechen und schauen, was sich dann entfaltet.)

Sie scheuen in Cottage gesucht, Held gefunden vor nichts zurück, von häuslicher Gewalt über Geisteskrankheiten bis zu Kindern, die eine Therapie brauchen. Wenn Sie mit solch komplexen Themen arbeiten, tun Sie dann etwas, um sich davon zu distanzieren oder eine Grenze zu ziehen? Oder stürzen Sie sich einfach mittenrein und harren aus?

Mein Motto ist immer schon gewesen: Das Leben ist zu kurz, um Bücher zu lesen, die deprimieren. In meinen Büchern passieren die schlechten Sachen meist „off-screen“. Und ich walze das auch nicht aus.

Sie haben die wunderbare Gabe, bis zum emotionalen Kern der Geschichte vorzudringen, und es gibt immer etwas in Ihren Büchern, das mich zum Weinen bringt – ich nenne das die „Schlag in die Magengrube-Szene“. Was würden Sie den aufstrebenden Autoren raten, um einen solchen Grad der Authentizität zu erreichen?

Danke! Ich erzähle den angehenden Autoren, dass sie ihre Protagonisten gut kennen und ihnen treu bleiben sollten. Ich halte nichts davon, die Persönlichkeit der Figuren zu manipulieren, nur weil man eine coole, überraschende Wendung in der Handlung erzwingen will. Ich versuche nicht darüber nachzudenken, ob ich meine Leser zum Lachen oder Weinen bringen will. Ich lasse der Geschichte einfach freien Lauf und lasse die Figuren für sich sprechen. (Dann kreuze ich meine Finger und bete viel.)

Von Fleur über Sugar Beth (meine Favoritin!) bis hin zu Annie sind Ihre Protagonistinnen alle unterschiedlich und haben verschiedene Persönlichkeiten. Welche Ihrer Heldinnen ist Ihnen besonders ähnlich? Oder welcher Ihrer Helden?

Ich bin bei weitem nicht so souverän wie meine Protagonisten. (Oder so Leid geprüft. Oder, seien wir ehrlich, nicht halb so sexy.) Ich identifiziere mich mehr mit meinen Heldinnen, vor allem mit Lady Emma in Kopfüber in die Kissen und Dr. Isabel Favor in Vorsicht, frisch verliebt!. Lady Emma übernimmt gern die Führungsrolle, und Dr. Isabel verabscheut Chaos. Und Annie hat keine Angst vor Mäusen und ist ein bisschen (sehr viel!) mutiger als ich.

Annies Puppen haben mir eine E-Mail geschickt und darum gebeten, dass ich Sie fairerweise frage, welche Puppe Sie am liebsten mögen.

Diese verflixten Puppen. Sie hängen viel zu sehr an ihren Mobilgeräten. Ich sehe mich auf jeden Fall in Scamp, obwohl ich noch eine andere, schlechte Eigenschaft habe: Stellen Sie sich eine gackernde Stimme vor, die ich einsetze, um meinen Enkeln Angst einzujagen. Also steckt vielleicht auch ein kleiner Leo in mir. (Und ich mag Kinder, die sich die Zähne putzen, das würde dann auf Dilly passen.)

Last but not least die naheliegendste Frage aller Fragen: Sind Ihre Helden Ihre Schwäche?

Ehm, naja. (Sorry, das war unhöflich.) Als Ehefrau, Mutter von zwei Söhnen und Großmutter eines Enkels, liebe ich gute Männer. Tüchtige Männer, moralisch gefestigt und mit einem guten Kern. So stelle ich mir den wahren Helden vor. Groß und gutaussehend wären auch keine Fehler. (Siehe obiger Hinweis zu „oberflächlich“.)